SOS im Morsecode

Maskottchen Mors signalisiert SOS mit einer Taschenlampe nach oben: drei Punkte, drei Striche, drei Punkte leuchten am Himmel

SOS ist das weltweit bekannteste Notsignal. Im Morsecode wird es als ··· ——— ··· geschrieben: drei Punkte, drei Striche, drei Punkte, gesendet als eine einzige ununterbrochene Folge ohne interne Buchstabenlücken. Das Muster wurde für die eindeutige Erkennung unter schlechten Bedingungen gewählt; es steht trotz der populären Backronyme 'Save Our Ship' oder 'Save Our Souls' für keine Phrase.

··· ——— ···
S O S

Auf der Berliner Internationalen Funktelegraphenkonferenz von 1906 (in Kraft ab 1908) als internationaler maritimer Notruf eingeführt, wird SOS bis heute von Seeleuten, Piloten, Wanderern und allen in ernster Not verwendet. Das Signal brachte im April 1912 berühmt Rettung zur RMS Titanic, wo Funker Jack Phillips sowohl die ältere 'CQD'- als auch die neuere 'SOS'-Rufzeichen sendete und so zur Rettung von mehr als 700 Überlebenden beitrug.

Was bedeutet SOS eigentlich?

SOS ist keine Abkürzung. Die Ausdrücke „Save Our Souls" (Rettet unsere Seelen) und „Save Our Ship" (Rettet unser Schiff) sind volkstümliche Deutungen, die erst auftauchten, nachdem das Signal bereits in Gebrauch war. Sie sind beliebt, aber historisch falsch.

Das Signal wurde aus einem einzigen Grund gewählt: wegen seiner Klangform. Neun gleichmäßig verteilte Elemente (drei kurze, drei lange, drei kurze) bilden ein Muster, das unverkennbar ist, von einem unerfahrenen Funker leicht gesendet werden kann und unmöglich mit normalem Textverkehr zu verwechseln ist.

Neongrüne Weltkarte mit einer Funkwelle, die sich über die Ozeane ausbreitet, erinnert an die ITU-Annahme des SOS im Jahr 1908

Von CQD zu SOS: Wie das Signal eingeführt wurde

Vor SOS war der häufigste Notruf CQD („Alle Stationen, Notfall"), 1904 von der Marconi-Gesellschaft eingeführt. Das Problem: CQD war firmenspezifisch und wurde nicht von allen Funkern erkannt.

Auf der Internationalen Funktelegrafenkonferenz in Berlin 1906 einigten sich die Delegierten auf eine einzige universelle Notrufsequenz. Das deutsche Signal ··· ——— ··· wurde übernommen, und die Internationale Funktelegrafenkonvention formalisierte es am 1. Juli 1908. Von diesem Tag an wurde SOS zum Weltstandard.

Neongrüne Silhouette eines Ozeandampfers aus der Titanic-Ära, der Notruf-Funkwellen in den Nachthimmel sendet

Die Titanic machte SOS berühmt

In der Nacht des 14. April 1912 sendeten die Funker der RMS Titanic, Jack Phillips und Harold Bride, nach der Kollision mit dem Eisberg zunächst CQD. Bride soll Phillips bekanntlich gescherzt haben: „Send SOS. It is the new call, and it may be your last chance to send it." („Sende SOS. Es ist der neue Ruf, und vielleicht deine letzte Chance, ihn zu senden.")

Beide Signale gingen in dieser Nacht hinaus. Die Titanic-Katastrophe veranlasste Regierungen und Reedereien, drahtlose Notrufverfahren ernst zu nehmen, und SOS verdrängte CQD im tatsächlichen Gebrauch sehr schnell.

Warum drei Punkte, drei Striche, drei Punkte?

SOS wird als Prosign gesendet, nicht als drei einzelne Buchstaben. Ein Prosign ist eine durchgehende Morsefolge ohne Zwischenzeichenpausen. Würde man S, O und S als getrennte Buchstaben senden, ergäbe sich ··· ——— ··· mit zwei Buchstabenlücken. Das SOS-Prosign streicht diese Lücken.

Das Ergebnis ist ein einziger rhythmischer Block: di-di-dit dah-dah-dah di-di-dit. Selbst ein Funker ohne Morseausbildung kann SOS meist nach einmaligem Hören erfassen.

Wie man heute SOS signalisiert

Morsekenntnisse sind auf See nicht mehr erforderlich (die US-Küstenwache strich die Anforderung 1995, die ITU folgte 1999), doch SOS bleibt gültig und wird erkannt. Du kannst es mit allem senden, das einen Impuls erzeugt:

Maskottchen Mors neben einem Schild und einem Warnsymbol, eine Erinnerung daran, SOS nicht zum Spaß oder als Test zu senden

Ein Hinweis zum Missbrauch

Das Senden eines falschen Notsignals ist in jedem Land mit See- oder Luftfahrtrecht eine schwere Straftat. SOS löst echte Rettungseinsätze aus, die Leben und Geld kosten. Setze es nur ein, wenn echte Lebensgefahr besteht.

Häufig gestellte Fragen

Hört überhaupt noch jemand auf SOS?

Die durchgehende menschliche Hörwache auf der alten Notfrequenz 500 kHz endete 1999. Der größte Teil des Seenotverkehrs läuft heute über GMDSS (Satelliten-EPIRBs, DSC-Funkgeräte). Doch Amateurfunker, Such- und Rettungsteams sowie Schiffsbesatzungen erkennen ein Morse-SOS nach wie vor und reagieren darauf, besonders wenn es an Land per Licht oder Ton übermittelt wird.

Ist es noch legal, SOS zu senden?

Ja, wenn du dich in echter Not befindest. Das Signal ist echten Notfällen vorbehalten. SOS als Scherz oder Test auf einer tatsächlichen Funkfrequenz zu senden, ist in den meisten Rechtsordnungen illegal.

Wie lang sind ein Punkt und ein Strich?

Nach Standardtiming ist ein Strich dreimal so lang wie ein Punkt. Für ein visuelles SOS mit einer Taschenlampe funktioniert eine Sekunde pro Punkt und drei Sekunden pro Strich gut: kurz, kurz, kurz, lang, lang, lang, kurz, kurz, kurz. Mehrere Sekunden pausieren, dann wiederholen.

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